Der heilige Georg
Der heilige Georg wird in Darstellungen meist als Drachentöter gezeigt und steht sinnbildlich für den Kampf des Guten gegen das Böse.
Im frühen Mittelalter wurde er als Schlachtenhelfer der Kreuzritter und Soldaten Christi verehrt. Später galt er als Schutzheiliger der Sattler und Schmiede. Die Verehrung des heiligen Georg geht vermutlich auf vorchristliche, heidnische Kulturen zurück, die vom Christentum übernommen und weitergeführt wurden, so auch der Georgi-Ritt.
Beim Ritt trägt der Darsteller des heiligen Georg eine Standarte mit einem Gemälde von Max Fürst. Die Stickerei stammt aus dem Jahr 1899 und ist eine Arbeit der „Englischen Fräulein zu Traunstein.“ Begleitet wird der heilige Georg von römischen Legionären, die auf seine Rolle als Hauptmann unter Kaiser Diokletian hinweisen.
Bis heute steht der heilige Georg im Mittelpunkt des Rittes und verbindet, wie anno dazumal, Stadt und Land in Treue zur Heimat und in Freundschaft.
Historische Gruppe
Im Jahr 1926 wurden anlässlich der Jubiläen 400 Jahre Lindlbrunnen am Stadtplatz und 800 Jahre Stadt Traunstein umfangreiche Feierlichkeiten abgehalten. Ein Teil davon stand unter der Federführung des St.-Georgs-Vereins, der den Schwerttanz neu belebte und dafür eine Historische Gruppe ins Leben rief.
Die Kostüme entwarf Prof. Wolfgang Quinicke, angelehnt an Landsknechttrachten des 16. Jahrhunderts. Der St.-Georgs-Verein übernahm die Finanzierung und Herstellung der Requisiten wie Schwerter, Uniformen, Schnabelschuhe, Hüte und Lederkappen.
Nach den Jubiläumsfeierlichkeiten wurde die Historische Gruppe zunächst unregelmäßig zum Georgi-Ritt zusammengerufen. Im Laufe der Jahre entwickelte sie sich zu einem festen Bestandteil des Umritts und wurde um bedeutende Figuren wie Herold, Fanfarenbläser, Schaumburg, den Eisernen Ritter und den Lindl erweitert.
Die Rüstung des Eisernen Ritters, ein Geschenk des damaligen Eigentümers der Burg Marquartstein aus dem Jahr 1900, stellt den Stadthauptmann dar. Die Rüstung des Lindl wurde 1926 von Schlosser Pretzner anlässlich der 800-Jahr-Feier gefertigt. Beide Originalrüstungen sind bis heute Teil des Georgi-Ritts.
Zum 100-jährigen Jubiläum des St.-Georgs-Vereins Traunstein im Jahr 1991 wurden die Uniformen vollständig erneuert – ermöglicht durch großzügige Spenden von Firmen und Bürgern der Stadt Traunstein.
Der Georgi-Ritt in Traunstein ist der einzige Umritt, dem eine derart umfangreiche historische Gruppe angehört.
Die Bruderschaft
Eine Bruderschaft ist ein kultisch-religiöser Zusammenschluss für gemeinsame fromme oder wohltätige Aufgaben Seit dem Mittelalter entstanden zahlreiche christliche Bruderschaften als Nachahmung von Ordensgemeinschaften. Sie standen unter kirchlicher Aufsicht, hielten Gottesdienste ab und halfen Fremden, Schutzlosen und Kranken.
In Traunstein ist bereits 1481 eine Allerseelen-Bruderschaft erwähnt. Seit 1628 ist eine Corporis-Christi-Bruderschaft erwähnt und ein Beratungsraum des „Bruderschaftsrates“ im westlichen Anbau der Stadtkirche St. Oswald belegt.
Somit ist die Bruderschaft beim Ritt ein Überbleibsel der Corporis-Christi-Bruderschaft in den roten Talaren!
Beim Ritt wird die Bruderschaft angeführt von
• einem Reiter mit Kreuz
• gefolgt von einem Reiter mit einer Tafel mit der Aufschrift „Georg, bitte für uns“
• sowie den weiteren Reitern der Bruderschaft mit Laternen
• seit 2024 wird die Reitergruppe durch eine Fußgruppe ergänzt
